Geistesgaben – ein Thema, an dem sich sprichwörtlich die Geister scheiden. Während die einen leugnen, dass es sie heutzutage überhaupt noch gibt, sprühen die Nächsten vor Begeisterung und legen viel Wert auf deren Ausübung. Doch was ist nun richtig, was ist falsch? Wie können die einen so felsenfest davon überzeugt sein, dass es Geistesgaben, wie wir sie in der Bibel kennenlernen, nicht mehr gibt, während die anderen sie unentwegt praktizieren? Da läuft doch irgendwas falsch. Das war zumindest mein erster Gedanke. (Das denke ich mir relativ häufig bei verschiedenen Themen, da es immer öfter zu gegensätzlichen Meinungen im Christentum kommt.)

Im heutigen Blogpost möchte ich mich ein wenig mit Geistesgaben im Allgemeinen auseinandersetzen und einige grundlegende Fragen beantworten: Angefangen bei der Definition und der Unterscheidung zwischen Talent und Gabe, bis zu der Frage, ob Geistesgaben heute noch existieren. Der kommende Post wird sich dann mit den Geistesgaben im Einzelnen und den Fragen rund um Anwendung und Praxis beschäftigen.
Also, wenn euch das Thema interessiert, bleibt dran. Let’s go!

 

1. Was sind Geistesgaben?

In einem Seminar, das ich während des Christivals Anfang Mai besucht habe, durfte ich einiges zur allgemeinen Definition aber auch zum Zweck der Geistesgaben lernen. Der Seminarleiter hat hierzu Christian A. Schwarz zitiert:

Eine geistliche Gabe ist eine besondere Fähigkeit, die Gott – nach seiner Gnade – jedem Glied am Leib Christi gibt und die zum Aufbau der Gemeinde eingesetzt werden muss.

Wir können hier zum einen herauslesen, dass es sich bei Geistesgaben um Fähigkeiten handelt, die nicht alltäglich sind – das umfasst angeborene Talente, Fertigkeiten, die man später erlernt, aber auch Fähigkeiten, die man als Christ erhält. (Auf den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Gaben und Talenten gehe ich unter 2. noch einmal ein.)

Zudem geht aus dem Zitat hervor, dass Gott sie uns schenkt (ganz gleich, ob ab Geburt, durch Gebet oder Ausbildung), und dass wir sie uns nicht verdienen können – Gott gibt sie nicht als Belohnung für menschliche Leistungen, sondern wie er mag („Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist, der jedem persönlich zuteilt, wie er will“, 1. Kor 12,11). Paulus selbst bezeichnet die Geistesgaben in 1. Kor 12,4 als „Gnadengaben“ (gr. charisma), also als aus Gnade von Gott gegebene Gaben.

Weiter lesen wir im Zitat, dass jedes Glied am Leib Christi eine Gabe erhält. Das bestätigt auch die Bibel in 1. Petrus 4,10: „Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat.“ Wer also seine Gabe noch nicht kennt, ist keineswegs unbegabt, sondern hat sie lediglich noch nicht entdeckt.

Zum Schluss sagt C. Schwarz, dass Gaben zum Aufbau der Gemeinde eingesetzt werden müssen. (1. Kor 14,12: „So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben eifert, so strebt danach, dass ihr überreich seid zur Erbauung der Gemeinde.“) Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel – so gibt es beispielsweise Gaben, die wir (außerhalb der Gemeinde) zur eigenen Erbauung einsetzen dürfen. (Lies hierzu 1. Kor 14,4: „Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst.“) Mehr dazu kannst du in meinem vergangenen Post nachlesen.

 

2. Worin unterscheiden sich Talente und Geistesgaben?

Grundsätzlich sind Talente Fähigkeiten, die wir von Geburt an durch erbliche Faktoren erhalten haben, oder Fertigkeiten, die durch Aus- und Weiterbildung gefördert wurden. Dazu gehören beispielsweise musikalisches und handwerkliches Talent, das uns oftmals durch unsere Familien schon (sprichwörtlich) mit in die Wiege gelegt wurde. Geistesgaben hingegen entspringen allein der Macht Gottes und werden uns zu Beginn unseres christlichen Lebens aus reiner Gnade ohne unser Zutun geschenkt. (Röm 12,6a: Wir haben aber verschiedene Gnadengaben gemäß der uns verliehenen Gnade.“)

Aber Vorsicht: Das heißt keinesfalls, dass angeborene Fähigkeiten oder erlernte Fertigkeiten nicht von Gott kommen – im Gegenteil, er schenkt sie uns ebenso wie die Geistesgaben. (Jak 1,17: „Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist, noch ein Schatten infolge von Wechsel.“) Doch im Gegensatz zu Talenten können Geistesgaben nur Christen zuteil werden. Einem Christen, also einem Menschen, der sich für Jesus Christus und gegen sein sündiges Leben entschieden und vor Gott Buße getan hat, wird mindestens eine Geistesgabe geschenkt, mit der er zur Erbauung der Gemeinde beitragen und den Herrn ehren kann. (Lies 1. Kor 12,7: „Jedem wird aber das offensichtliche Wirken des Geistes zum [allgemeinen] Nutzen verliehen.“) Talente hingegen nützen auch uns selbst und der „Welt“ – wir können sie privat, beruflich oder gar für unchristliche Zwecke einsetzen.

 

3. Gibt es heutzutage Geistesgaben?

Ein häufiges Diskussionsthema ist die Frage, ob es Geistesgaben heutzutage überhaupt noch gibt. Viele Christen sind der Meinung, dass sie aufgehört hätten, während andere von ihrer Wirkung nach wie vor überzeugt sind. Meine persönliche Meinung ist: Ja, es gibt sie noch. Warum ich das glaube, möchte ich anhand der Bibel erklären.

Die Liebe hört niemals auf. Aber seien es Weissagungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen stückweise und wir weissagen stückweise; wenn aber einmal das Vollkommene da ist, dann wird das Stückwerk weggetan.
1. Kor 13,8-10

Wer jemals darüber diskutiert hat, ob Geistesgaben heutzutage noch existieren und auftreten, kam an dieser Bibelstelle sicherlich nicht vorbei. Sie wird häufig als Argument verwendet, um zu belegen, dass Heilung, Zungenrede, Prophetie & Co. heutzutage nicht mehr gibt bzw. diese nicht mehr durch Christen gewirkt werden können. Das Vollkommene, was laut Bibel eintreffen und das Stückwerk hinwegtun soll, wird oft als die Fertigstellung der Bibel und der Abschluss des biblischen Kanons beschrieben. Da wir ja das Wort Gottes (die Bibel) hätten, bräuchten wir keine Geistesgaben mehr, die als Beweis Gottes dienen. Doch wir lesen klar und deutlich in der Bibel, dass die Geistesgaben den Gläubigen in erster Linie zum Zwecke der Erbauung der Gemeinde gegeben wurden: „So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben eifert, so strebt danach, dass ihr überreich seid zur Erbauung der Gemeinde.“ (1. Kor 14,12) Und ist es nicht eine Tatsache, dass Erbauung auch noch heutzutage (oder gerade heutzutage!?) von Bedarf ist? Schließlich lesen wir oftmals von Anfechtungen und Versuchungen in der kommenden Zeit. (1.Timotheus 4,1-2: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in späteren Zeiten etliche vom Glauben abfallen und sich irreführenden Geistern und Lehren der Dämonen zuwenden werden durch die Heuchelei1 von Lügenrednern, die in ihrem eigenen Gewissen gebrandmarkt sind.“)

Was meint also dann der Begriff des „Vollkommenen“? Das Vollkommene kann nur allein die Wiederkunft Jesu Christi sein, denn mit seiner Wiederkunft wird er einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen und uns zur Vollendung und zum ewigen Leben bringen. Erst wenn dies geschehen ist, wird das Stückwerk (die Geistesgaben) aufhören. Im weiteren Kontext von 1. Kor 13 lesen wir folgendes: „Denn wir sehen jetzt mittels eines Spiegels wie im Rätsel, dann aber von Angesicht zu Angesicht; jetzt erkenne ich stückweise, dann aber werde ich erkennen, gleichwie ich erkannt bin.“ (Vers 12) Wen wollen wir erkennen, wenn nicht Jesus Christus? Und wer will uns erkannt haben, wenn nicht der Herr allein? Solange wir auf der Erde wandeln, sind wir unvollkommen in Erkenntnis und Weisheit, obgleich wir natürlich nach Heiligung und vollkommener Weisheit streben.

So beschreibt es auch Paulus in Phil 3,12: „Nicht daß ich es schon erlangt hätte oder schon vollendet wäre; ich jage aber danach, daß ich das auch ergreife, wofür ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.“ Wir sind nicht vollkommen/vollendet (oder auch: verherrlicht), sollen aber danach streben. In Phil 3,20-21 schreibt Paulus weiter: „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, so daß er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann.“ Dann – und erst dann – wenn wir durch Christus verherrlicht wurden und ihn von Angesicht zu Angesicht erkannt haben, werden die Geistesgaben aufhören. Denn wir werden keine Heilungen mehr brauchen, weil es keine Krankheiten und kein Leid mehr geben wird („Und ich selbst werde frohlocken über Jerusalem und mich freuen über mein Volk, und es soll kein Klagelaut und kein Wehgeschrei mehr darin vernommen werden“, Jes 65,19). Auch Weissagungen und prophetischen Reden werden wir nicht mehr benötigen, weil wir den Herrn von Angesicht zu Angesicht sehen werden (1. Kor 13,12). Ebenso werden wird das Sprachengebet nicht mehr brauchen, weil wir den Herrn persönlich anbeten können („Und es wird geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; während sie noch reden, will ich [sie] erhören!“, Jes 65,24).

 

Ich hoffe, dieser erste Teil hat euch einen guten Einblick in das Thema Geistesgaben geben können. Habt ihr schon Erfahrungen mit Geistesgaben gemacht? Welche Fragen interessieren euch noch? Im nächsten Post geht es interessant weiter – klickt rein! ☺️

Liebste Grüße,
eure Daniela

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  1. […] fragt, was Geistesgaben eigentlich sind und ob sie heutzutage noch existieren, dann lest meinen Blogpost von vergangener Woche und erfahrt mehr darüber. Nun möchte ich aber ohne weitere Vorworte direkt ins Thema einsteigen […]

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