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Ich hatte dieser Tage ein sehr anregendes Gespräch, in dem es unter anderem auch um Sünden, Sündenerkenntnis und Ermahnung ging. Dabei ist mir beim Formulieren meiner Gedanken bewusst geworden, was sich in den letzten Monaten durch meinen Dekonstruktionsprozess hauptsächlich geändert hat: mein Umgang mit anderen theologischen Meinungen.

Ich habe mich zuvor schon immer als einen liebevollen und herzlichen Menschen wahrgenommen. Doch aufgrund meiner fundamentalistischen Glaubensprägung gab es für mich bestimmte (nicht-heilsrelevante) Überzeugungen, bei denen ich keine anderen Interpretationen und Meinungen duldete. Das lag vermutlich vor allem daran, dass ich das fundamentalistische Bibelverständnis als das einzig wahre und fundamentale Christen als die echten Nachfolger Jesu angesehen habe.

Heute schmunzel ich ein wenig darüber: Wenn man anderen Christen kategorisch die Wirkung des Heiligen Geistes und den Glauben abspricht, macht es die Legitimation der eigenen Meinung natürlich wesentlich einfacher.

Aber ich durfte durch meinen Dekonstruktionsprozess unglaublich demütig werden und erkennen: Hey, so selbstverständlich „richtig“ ist meine Meinung gar nicht. Mein Horizont hat sich in den vergangenen Monaten sehr geweitet – ebenso mein Herz. Und dafür bin so dankbar! ♥

Welche Sorte Christ bist du eher: Wahrheitspächter oder Bratpfannen-Christ?

(Gib’s zu, es steckt in uns allen. ☺)

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„Liebe Kirche …“

Heute folgt der angekündigte 2. Teil zum Thema „Dekonstruktion“. Wenn über dieses Thema gesprochen wird, so ist mein Eindruck, dominieren viele Vorurteile und viel Unwissen den Diskurs.

Darum sollte darüber aufgeklärt und dafür sensibilisiert werden. Christen, die ihren Glauben dekonstruieren, sind nicht „des Teufels“. Sie sind einfach Menschen, die Fragen haben. Und liebe Kirche, liebe Christen: Ihr solltet lernen, mit Fragen konstruktiv umzugehen und einen Raum für Zweifel zu schaffen. Sonst verletzt und verliert ihr sehr viele Menschen.

In Liebe, eine dekonstruierende Christin

 


1. Man glaubt nicht mehr an die „Wahrheit“

Dekonstruierende Christen glauben ebenso an die Wahrheit wie andere Christen.

Nur sind sie sich bewusst, dass sie die Wahrheit nie gänzlich erfassen können, ihre Erkenntnis Stückwerk ist und Gott mit dem eigenen Verstand nie gänzlich begriffen werden kann.

2. Dekonstruktion = Abfall vom Glauben

Wie in meinem letzten Beitrag erläutert, ist dem nicht unbedingt der Fall. Dazu tragen verschiedene Faktoren bei:

Jede Dekonstruktion ist individuell. Der Ausgang ist ergebnisoffen und unbestimmt.

Man hinterfragt nicht unbedingt das Fundament, Jesus Christus selbst, sondern Prägungen und Konstrukte (bspw. Gottesbilder, und Dogmen).

3. Wer nicht bibeltreu ist, glaubt nicht richtig

In vielen Kreisen sind Gott und Bibel untrennbar. Wenn man die wörtliche Auslegung der Bibelinfolge der Dekonstruktion anzweifelt, ist das für viele ein Zeichen, dass man Gott anzweifelt.

Doch dem ist nicht so. Viele dekonstruierende Christen glauben schlichtweg, dass die Bibel für viele Christen zum Götzen und Glaubensfundament wurde, obwohl kein anderes Fundament gelegt werden kann als Jesus Christus (1. Kor 3,11).

4. Man dekonstruiert, weil es sich „gut anfühlt“

Dekonstruktion sei der leichte Weg, weil man denunbequemen Wahrheiten der Bibel entgehen möchte – das ist das Narrativ in manchen Kreisen über dekonstruierende Christen.

Doch wisst ihr was? Den eigenen Glauben zu hinter-fragen und zu reflektieren, erfordert viel Mut und Vertrauen in Gott. Man muss sich selbst und die eigenen Denkweisen verleugnen, um zu einem sachlichen Ergebnis zu kommen. Und das bedeutet unglaublich viel Schmerz.

Zudem verliert man durch den Prozess viele Menschen um sich herum. Aus Gemeinde, Freundeskreis und vielleicht sogar Familie. Diese Ablehnung zu erleben, ist vermutlich die schlimmste Erfahrung.

 

Welche Mythen über Dekonstruktion kennst du?

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Warum Gott Brücken bauen und keinen Streit unter seinen Kindern möchte

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