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»Oh, the overwhelming, never-ending, reckless love of God. Oh, it chases me down, fights ’til I’m found, leaves the ninety-nine.« (Cory Asbury – Reckless Love)

Ich habe gestern wieder neu über dieses Lied nachdenken müssen. Obwohl ich es schon tausende Male gehört habe, hat Gott mir einen ganz neuen Aspekt seiner Gnade dadurch gezeigt. Was ist, wenn Gottes Liebe so „reckless“ (also überwältigend und auf seine Art und Weise rücksichtslos) ist, dass er mein Leid zulässt, um andere dadurch zu trösten?

In 2. Korinther 1,4-5 lesen wir folgendes: „In allen Schwierigkeiten tröstet [Gott] uns, damit wir andere trösten können. Wenn andere Menschen in Schwierigkeiten geraten, können wir ihnen den gleichen Trost spenden, wie Gott ihn uns geschenkt hat. Ihr dürft darauf vertrauen: Je mehr wir für Christus leiden, desto mehr lässt uns Gott durch Christus Trost zuteil werden.“ Und das gilt nicht nur für Christen! Stellt euch mal vor, Gott lässt euer Leid zu, um Nicht-Christen seinen Trost durch euch zukommen zu lassen. Oder noch krasser: Nicht-Christen lernen durch euren Trost Gott kennen! Wie genial ist das denn!? Ganz ehrlich: Ich will mich in den nächsten Tagen nicht mehr über mein Leid beschweren. Klar, es ist schrecklich und eine grausame Situation. Aber hey, wenn eine Menschenseele bei Gott Trost findet, was kann es dann besseres in diesem Moment geben? – Nichts. Deswegen heißt es jetzt, Zähne zusammenbeißen, auf Gott vertrauen und ausharren. Achja, und natürlich Trost spenden. Also raus in die Welt und Liebe spenden. ♥️

»Denn der Herr weist die zurecht, die er liebt, und er straft jeden, den er als seinen Sohn annimmt. Wenn ihr Schweres ertragen müsst, dann erkennt darin die Zurechtweisung Gottes; denkt daran, dass Gott euch als seine Kinder behandelt.« (Hebräer 12,6–7a)

Ich merke, wie Gott in den letzten Tagen an mir und meinem Herzen arbeitet. Wie der Herr mich erziehen will. Und allmählich findet die Gewissheit in mir Platz, dass es gut ist. Wie ein Gärtner seine Rosen zurückschneidet und schlechte Triebe wegnimmt, damit aus seinen geliebten Pflanzen wieder Gutes erwachse. Aber nicht nur schlechte Triebe nimmt Gott uns ab, auch die Triebe, die schon gut waren, damit sie noch besser würden. Ich muss lernen, loszulassen und alles Gott abzugeben. Oder wie der christliche Kinderliedersänger Thomas Klein sagt: „Hier ist mein Herz, mach es ganz rein. Nur Du allein sollst drinnen sein. Nimm alles weg, was Dich stört, weil Dir, Jesus, mein Herz gehört.“ Herr, mein Herz gehört dir. Ich will lernen loszulassen und dir zu vertrauen. Alles dient mir zum Guten und du hast gute Pläne für mich. Danke, Jesus, dein Name sei gelobt!

»Father, God, let me see it for what it is. […] I’m willing to fight, willing to fight the elements.« (TobyMac – The Elements)

In meinem Kopf herrscht Krieg – mit meinen Gefühlen geht es in den vergangenen Tagen mal hoch und mal runter. Und wenn sie unten sind, ziehen sie mich ganz tief in die letzten Zentimeter eines nie enden wollenden Loches. Dort unten rufe ich und flehe Gott an, ich warte und harre. Doch die Zweifel überwiegen. In meinen Gedanken schwingt immer ein Satz mit: „And if not, he’s still good … really?“ Ist Gott wirklich gut? Eigentlich zweifel ich keine Sekunde daran. Eigentlich weiß ich, dass er vollkommen gut ist, weil er die Liebe in Person und allmächtig ist. Und dennoch – immer wieder steigen Zweifel empor und schnüren mir die Kehle zu bis nur noch ein Schluchzen herauskommt.

Solange bis Gott mich aus dem Loch raushebt und mich Gebete hochziehen. Dann stehe ich kampfbereit, mit fokusiertem Blick bereit, es mit dem Teufel und „den Elementen“ aufzunehmen. Wind, der mich wie ein Blatt hin- und herwirbeln lässt. Wasser, das mir den Boden unter den Füßen nimmt. Feuer, an dem ich mir die Hände verbrenne. Erde, die mich unter sich begräbt. In solchen Momenten, wenn Gott mich trägt, bin ich siegessicher und rappel mich auf.

Wie gestern Abend an der Kasse im EDEKA – wenn ich als Tochter des Höchsten, die so viel Grund zur Freude hat, freudlos und mit dem Gesichtsausdruck des Todes die Kassiererin niederstarre, was ist das bitte für ein Zeugnis!? Da freut sich nur der Teufel. Und das lasse ich nicht zu. „I got spirit, I got faith. I might bend, but I won’t break. I’ll fight the elements.“ Also sieh zu, dass du Land gewinnst, Teufel. Mein Herz nimmst du nicht mit deinen Lügen ein. Gott hat einen Grund, warum es passiert. Und der ist gut, auch wenn ich ihn nicht kenne.

»Dry your tears and wave goodbye … We can rise up from the dust and walk away. We can dance upon our heartache, yeah. So light a match, leave the past, BURN THE SHIPS. And don’t you look back.« (for King & Country – Burn the ships)

Es tut weh, es tut unfassbar weh. Der Schmerz in meinem Herzen, das Leid, das mir zugefügt wurde, der Hass und die Wut, gegen die ich kämpfe, all die Verzweiflung. Es tut alles weh. Ich glaube, in meinem Leben ging es mir selten so schlecht. Und doch bin ich mir gewiss: Ich bin nicht allein. Obgleich der Beginn des Wochenendes einer Folter glich und ich Schmerzen litt, konnte ich mich dennoch auf Freunde und Familie und vor allem darauf verlassen, dass mich die Gebete tragen. Auf einmal wurde ich im freien Fall aufgefangen und sicher gehalten. Mein Blick war nach oben gerichtet und auf Gott. Heute kämpfe ich zwar wieder mit meinen Gefühlen, aber selbst wenn ich weine und leide, ist Gott da. Er hält mich. Was mich heute ermutigt, ist das neue Album von for King & Country. Als würde es meine Geschichte erzählen – nur mit der Perspektive Gottes. Und ich darf mich an diesem doch sehr beschissenen Montag darüber freuen, dass ich arbeiten und mich dadurch ablenken darf. Dass auf mich daheim eine Familie wartet, dass ich eine Bibel habe, dass ich mich mit Serien und einigen Projekten und To dos ablenken kann. Das ist Gnade. Gott ist Gnade. Und auch wenn ich weine, darf ich danken und nach vorne schauen. Alte Schiffe verbrennen und nicht mehr zurückblicken.

»Lift up your head now, keep walkin’, soldier, keep movin’ on!«
TobyMac – Move (keep walkin’)

Darf man als Christ wütend sein? Ja, ich glaube schon. Zumindest dann, wenn es den richtigen trifft. Und das ist in meinem Falle momentan zu einem großen Teil der Teufel. Ich hasse ihn – ich verabscheue ihn. Er ist derjenige, der mich nach den höchsten Höhen immer wieder in die tiefsten Tiefen stürzt. Er liebt es, mein Leben zu verwirren und alles Gute, das von Gott kommt, zu zerstören. Vor allem aber hasst er den Herrn, und will, dass wir in unseren Herzen gegen Gott klagen und ihn verlassen. „Überaus trügerisch ist das Herz und bösartig; wer kann es ergründen?“ steht in Jeremia 17,9. Und dass unser Herz leicht zu trügen ist, weiß auch der Teufel – das nutzt er schamlos aus. Er will verhindern, dass wir Gott anbeten, er will uns zum Sündigen verleiten, er will unser Glück in der Gemeinschaft mit Gott zerstören und er will den Dienst für Jesus verhindern. Was man dann tun kann, wenn man das erkannt hat? Weitermachen – wie ein Soldat, der weiterläuft bis es Morgen wird. Kopf hoch und weiter. Immer weiter. Weine ruhig, fluche, sei wütend. Aber lauf weiter. Lauf!